Delta I & II

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Delta I (1979–1994)
Der auf der IAA 1979 in Frankfurt debütierende Lancia Delta wurde in relativ kurzer Zeit bei Lancia zur Abrundung des Sortiments nach unten entwickelt. Ab Herbst 1979 stand der Wagen bei den Händlern.
Die Entwicklung des Fahrzeuges begann im Jahre 1974. Die Grundlage des Autos bildete der Fiat Ritmo, von welchem Bodengruppe und Motoren entlehnt wurden. Die Einzelradaufhängung des Delta wurde allerdings mit den beim Beta und Gamma gewonnenen Erkenntnissen abweichend vom Ritmo konstruiert. Die Camuffo-Hinterachse war in typischer Lancia-Manier konstruiert und wurde in vielen weiteren Konzernmodellen verbaut. Der Radstand des Delta wurde gegenüber dem Ritmo verlängert. Die Karosserie des Delta war jedoch in vielen Details wesentlich aufwändiger gestaltet, was für Lancia typisch war und dem Qualitätsanspruch der Marke im Konzern entsprach. So bestanden etwa die Stoßfänger vorne und hinten aus glasfaserverstärktem Polyester gegenüber den einfachen Plastikteilen beim Ritmo. Die Serienausstattung des Delta war mit Heckscheibenwischer, von innen einstellbaren Außenspiegeln, dreistufigen Scheibenwischern und einem verstellbarem Lenkrad für seine Zeit sehr umfangreich.
Für das äußere Design war Giorgetto Giugiaro verantwortlich. Es beruhte auf Giugiaros Styling-Studie Medici II, die die Linien sehr unterschiedlicher Serienmodelle der 1970er und 1980er Jahre vorwegnahm. Die in die Karosserie integrierten und in Wagenfarbe gehaltenen Stoßfänger waren zu dieser Zeit eine Innovation.
Der Produktionsstart des Delta erfolgte im Fiat-Stammwerk Lingotto, da dieses zum damaligen Zeitpunkt freie Kapazitäten aufwies und im Lancia-Werk in Chivasso alle Kapazitäten für den Beta beansprucht wurden.
Basismodelle
Anfänglich waren lediglich zwei Motorisierungen verfügbar: 1301 cm³ (55 kW / 75 PS) und 1498 cm³ (63 kW / 85 PS). An einen sportlichen Einsatz wurde zur Einführung des Delta noch nicht gedacht. Gleichwohl präsentierte Lancia auf dem Turiner Salon 1982 einen Delta-Prototyp mit Allradantrieb und 1,6-Liter-Turbomotor, der 96 kW (130 PS) leistete. Ein Verteilergetriebe leitete über eine Antriebswelle die halbe Motorkraft an die Hinterräder; an der Hinterachse saß ein Selbstsperrdifferenzial. 1982 erschien die Variante Delta LX mit umfangreicherer Ausstattung, darunter elektrische Fensterheber, Alufelgen, getönte Scheiben und einer geteilt umklappbaren Rücksitzbank. Der erste Delta war recht erfolgreich und wurde von der internationalen Presse 1980 zum Auto des Jahres gewählt. Es war das bisher einzige Mal, dass Lancia diese Auszeichnung erhielt.
Ab Ende 1982 war ein auf dem Delta basierendes Stufenheckmodell, der Lancia Prisma (intern als Lancia 831AB bezeichnet), erhältlich. Von diesem Zeitpunkt an wurden beide Modelle im Lancia-Werk in Chivasso produziert, damals eine der modernsten Produktionsstätten der Welt. Der Prisma wurde später analog zum Delta auch als Allrad-Version (Prisma 4WD) angeboten, allerdings hier nur mit einer 2,0-l-Saugerversion des beim Delta HF4WD beziehungsweise Integrale verwendeten Turbomotors.
In einigen skandinavischen Ländern (Schweden, Dänemark) wurde der Delta in Zusammenarbeit mit Saab als Saab Lancia 600 verkauft. Diese Zusammenarbeit beim Verkauf des Modells war Resultat der gemeinsamen Konstruktion des Fahrzeuges. Die Heizungs- und Belüftungsanlage des Delta wurde von Saab entwickelt. Beide Marken arbeiteten später auch beim Lancia Thema und beim Saab 9000 unter Einbeziehung von Fiat (Croma) und Alfa Romeo (Alfa 164) zusammen. Es existiert in Schweden noch mindestens ein Prototyp eines Saab 2000, welcher äußerlich einem Lancia Delta gleicht, allerdings über einen Mittelmotor verfügt. Zweck und Verwendung dieses Prototyps blieben bisher unbekannt.
Im Sommer 1986 wurde der Delta äußerlich dezent überarbeitet (Kühlergrill, Felgendesign, Innenraum), und Lancia nahm etliche neue Varianten ins Programm: eine 1100-cm³-Version speziell für Griechenland, Motoren mit elektronisch geregelter Einspritzung und für die Auslandsmärkte auch mit Katalysator sowie den 1,9-Liter-Turbodiesel, bekannt aus verschiedenen Fiat-Modellen.
Delta II (1993–1999)
Im Frühjahr 1993 wurde der Nachfolger präsentiert. Der Delta Nuova basierte auf dem Fiat Tipo und dem Lancia Dedra und bot Motorisierungen bis zu 142 kW (193 PS). Bis Anfang 1994 wurden beide Serien parallel angeboten.
Mit dem neuen Modell fuhr Lancia keine Rallyes mehr, da die Marke von der Konzernmutter Fiat zwischenzeitlich anders positioniert worden war. Die dreitürigen Ausführungen wurden wie die frühere Karosserievariante des Lancia Beta als HPE bezeichnet. Alle Modelle hatten ausschließlich Frontantrieb.
Das Modell mit dem 2,0-l-Turbo-Motor (142 kW) war analog zum Vorgängermodell mit dem Schriftzug HF versehen. Es war mit Sperrdifferential und einem Overboost ausgerüstet, der unter Volllast kurzzeitig den Ladedruck des Turboladers erhöhte, sodass das Drehmoment um ca. 10 % wuchs.
Lancia bot auch beim HF-Modell der zweiten Generation Sondermodelle an. Entgegen der damaligen Firmenphilosophie gab es 1996 den Delta HPE EVO 500 mit Sportpaket. Es kostete 4500 Mark Aufpreis, war tiefer gelegt und hatte u. a. Front- und Heckschürze, Leichtmetallfelgen und Carbonverkleidungen im Innenraum.
Die ersten ab Juni 1993 nach Deutschland ausgelieferten Fahrzeuge wurden noch nicht mit Airbag und pyrotechnischen Gurtstraffern angeboten, obwohl diese bereits in den Preislisten als Grundausstattung genannt wurden. Der Entfall des Fahrerairbags und der Gurtstraffer bei diesen frühen Versionen wurde nur im Kleingedruckten der Ausstattungsübersicht erwähnt.
Ab dem Frühjahr 1994 wurden dann alle nach Deutschland gelieferten Fahrzeuge ausschließlich mit Airbag und Gurtstraffern angeboten. Ein Beifahrerairbag war für den Delta nicht lieferbar. Beim Schwestermodell wurden einige dieser Sicherheitsausstattungen anfänglich nicht angeboten. So erhielt der Delta den beim Dedra erst mit der Modellpflege eingeführten Seitenaufprallschutz bereits von Beginn an. Im Laufe der Serie wurden die auf dem Fiat Tipo basierende Konstruktion teilweise mit Komponenten des Nachfolgers Fiat Bravo/Brava weiterentwickelt, was äußerlich aber nicht erkennbar war.
Der Delta wurde im Frühjahr 1996 einem leichten Facelift unterzogen. So wurden die Radkappen bzw. die Felgen geändert und die Farbgebung des Kühlergitters bei den fünftürigen Fahrzeugen geändert. Im Zuge dieser Modellpflege wurde auch die anfänglich mattschwarz gefärbte A-Säule in Wagenfarbe lackiert und damit der Ausführung beim Dedra angepasst. Die letzten Modelle der Baureihe erkennt man an den Stoßleisten und Heckblenden in Wagenfarbe. Die Rücklichteinheiten dieser letzten Variante waren gänzlich rot, während sie bei Fahrzeugen, die vor 1996 gebaut wurden, in der Kombination rot/schwarz/rot ausgeführt waren. Diese wurden in versetzter Form und mit anderer Halterung auch im Lancia Kappa Coupé eingebaut.
In Italien waren die ab 1999 verkauften Fahrzeuge serienmäßig mit Klimaanlage ausgestattet, was auf die für den deutschen Markt bestimmten Fahrzeuge nicht zutrifft.
Die vorerst letzten Delta wurden im August 1999 gebaut.
Es gab für den Delta keinen direkten Nachfolger, angeboten wurde jedoch der ähnlich platzierte von Herbst 1999 bis Frühjahr 2005 produzierte Lancia Lybra. Erst im Sommer 2008 kam die dritte Generation auf den Markt.
